Kommentar zu DHC Lecture, Christoph Möllers, Politische Aphoristik, SoSe 2026(Juni)
Das Dahlem Humanities Center veranstaltet an der Freien Universität Berlin Lectures zu Grundsatzthemen der Geisteswissenschaften. Im SoSe 2026 hat Christoph Möllers
zu dem Thema "Politische Aphoristik" gesprochen.
Nun ist Möllers Jurist, worauf auch sogleich hingewiesen wurde, aber die meisten Geistes-
wissenschaften sind Textwissenschaften, ebenso wie die Rechtswissenschaft, so daß aus
der gemeinsamen Schnittmenge das wissenschaftliche Gespräch gesucht wird und die akademischen Verbindungen geknüpft sind. Davon hat der Vortragene auch reichlich Gebrauch
gemacht. Er befaßt sich mit vielen Befunden aus Wissenschaft und Literatur und hat einen
äußerst interessanten, aufschlußreichen und gebildeten Vortrag gehalten.
Ohne weiteres findet diese lecture ihren Platz unter dem Dach von "Wahrheit, Gerechtigkeit
und Freiheit", dem Wahlspruch der Freien Universität Berlin.
Aphoristik produziert Aphorismen, also Ideen, Ergebnisse, Resultate. Früher entsprang es
dem Berufsbild des Poeten, einer Form, eines Stils. Nicht die Melodie, sondern das Motiv,
die Ideenlehre des Platon und nicht die aristotelische Reihung, nicht das gelehrte Gespräch,
die Debatte als Mittel, Wissen zu erzielen, sondern die Begabung, Konzentration und Bildung
sind Aphoristik. Die Focussierung als Mittel der Verdichtung des Geistigen stehen hier im
Zentrum, die Idee. Der Einzelne schafft Resultate als Einfall, Ergebnis von Anspannung und Wissen.
Nun hat es aber, wie Möllers plausibel entwickelt, seine besondere Bewandnis mit dem
Politischen und so auch mit der politischen Aphoristik.
Weshalb gerade das Politische?
Dieses ist nicht nur praktisch, es hat auch Einfluß, Bedeutung. Der Aphorismus in der
parlamentischen Debatte kann die Diskussion beenden, er ist wichtig als Zusammen-
fassung, setzt den politischen Gegner in Zugzwang. Wer einen Aphorismus zu plazieren
weiß, ist dem anderen häufig überlegen und soll es auch sein, weil er geistig befähigter
ist. Das findet sich auch in den Parlamentsprotokollen, die die Mitschriften der Wortbeiträge
enthalten. Die Entscheidung des Parlaments muß dem nicht folgen, denn politische Mehr-
heiten führen nicht immer zu der richtigen Entscheidung, aber die Chance steigt erheblich.
Der Aphoristiker ist nicht nur eleoquent, er hat häufig auch Überzeugung, nie falsch in
einer Welt des politischen Streits.
Der Vortrag von Möllers besticht durch Kenntnis und Interesse und liefert einen Beitrag
zur politischen Kultur und geistigen Entwicklung.
zu dem Thema "Politische Aphoristik" gesprochen.
Nun ist Möllers Jurist, worauf auch sogleich hingewiesen wurde, aber die meisten Geistes-
wissenschaften sind Textwissenschaften, ebenso wie die Rechtswissenschaft, so daß aus
der gemeinsamen Schnittmenge das wissenschaftliche Gespräch gesucht wird und die akademischen Verbindungen geknüpft sind. Davon hat der Vortragene auch reichlich Gebrauch
gemacht. Er befaßt sich mit vielen Befunden aus Wissenschaft und Literatur und hat einen
äußerst interessanten, aufschlußreichen und gebildeten Vortrag gehalten.
Ohne weiteres findet diese lecture ihren Platz unter dem Dach von "Wahrheit, Gerechtigkeit
und Freiheit", dem Wahlspruch der Freien Universität Berlin.
Aphoristik produziert Aphorismen, also Ideen, Ergebnisse, Resultate. Früher entsprang es
dem Berufsbild des Poeten, einer Form, eines Stils. Nicht die Melodie, sondern das Motiv,
die Ideenlehre des Platon und nicht die aristotelische Reihung, nicht das gelehrte Gespräch,
die Debatte als Mittel, Wissen zu erzielen, sondern die Begabung, Konzentration und Bildung
sind Aphoristik. Die Focussierung als Mittel der Verdichtung des Geistigen stehen hier im
Zentrum, die Idee. Der Einzelne schafft Resultate als Einfall, Ergebnis von Anspannung und Wissen.
Nun hat es aber, wie Möllers plausibel entwickelt, seine besondere Bewandnis mit dem
Politischen und so auch mit der politischen Aphoristik.
Weshalb gerade das Politische?
Dieses ist nicht nur praktisch, es hat auch Einfluß, Bedeutung. Der Aphorismus in der
parlamentischen Debatte kann die Diskussion beenden, er ist wichtig als Zusammen-
fassung, setzt den politischen Gegner in Zugzwang. Wer einen Aphorismus zu plazieren
weiß, ist dem anderen häufig überlegen und soll es auch sein, weil er geistig befähigter
ist. Das findet sich auch in den Parlamentsprotokollen, die die Mitschriften der Wortbeiträge
enthalten. Die Entscheidung des Parlaments muß dem nicht folgen, denn politische Mehr-
heiten führen nicht immer zu der richtigen Entscheidung, aber die Chance steigt erheblich.
Der Aphoristiker ist nicht nur eleoquent, er hat häufig auch Überzeugung, nie falsch in
einer Welt des politischen Streits.
Der Vortrag von Möllers besticht durch Kenntnis und Interesse und liefert einen Beitrag
zur politischen Kultur und geistigen Entwicklung.
ic - 28. Jun, 17:14
